Donnerstag, 21. Januar 2010

Grosse Schatten werfen ihre Pläne voraus

"Gastbeitrag von Lothar ;-) " :

Hallo ihr Stegsegler,
wir, das sind Walter und Lothar (mit Segel-Forums-bürgerlichem Namen Mirror und Anatra), wollten euch schon frühzeitig unsere Pläne für 2010 offenbaren.

Es soll von der Schlei (mirror) und von Ueckermünde (anatra) nach Oslo und zurück gehen.
Diesmal soll es eine Flottillenfahrt werden. Auf insgesamt 45 Fuss (verteilt auf zwei Schiffe) werden wir sowohl Skagerrak als auch Kattegatt erobern und die Christianisierung der westlichen Ostsee entscheidend voranbringen.

Als erstes Bild ist der Plan eingezeichnet.
Den zeigen wir euch, falls ihr noch sachdienliche Hinweise zu interessanten Häfen oder allgemeine Fahrhinweise habt. Dann immer her damit.

Darunter findet ihr noch Bilder der beiden stolzen Schiffe. Diese Bilder sind insoweit wichtig, dass wir euch bitten müssen, beim Herannahen dieser Flotte scharf die rechte Seite des Fahrwassers anzuhalten, da wir es eilig haben und das Gedümpel der kleinen Schiffe ist für uns doch sehr lästig, da wir mit 45 Fuss eine deutlich höhere Rumpfgeschwindigkeit erreichen. Noch besser wäre es aber, wenn wir den Einen oder Anderen im Hafen treffen und ein gemeinsames Anlegebiermanöver zur Durchführung gelangen lassen könnten.

Reisezeitraum soll Mai und Juni sein.
Soweit von uns, jetzt sind wir auf eure freundlichen Kommentare gespannt.

Viele Grüße und immer eine handbreit Bier unterm Schaum von Walter und Lothar

Anatra hat folgendes Bild angehängt:











Donnerstag, 3. Dezember 2009

Kihnu und Ruhnu, Inseln für die Seele


Lange ist es her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Ausreden für diese Schreibfaulheit gibt es genügend, aber die Wichtigste war der Erwerb eines eigenen Bootes, einer Friendship 22 Baujahr 1982. Damit war plötzlich die Zeit sehr knapp, man kann ruhig sagen, sie war ausgebucht. Jetzt steht Snoopy im Winterlager, hoch und trocken und ich treffe eine Menge Vorbereitungen für die Saison 2010. Doch zuerst wird hier wieder weitergeschrieben, um die Reise abzuschließen und dann über das neue eigene Boot berichten zu können.
Die Fahrt nach Kihnu startete – wie schon langsam usus – nach einem ausgiebigen Frühstück und Studium der Papierlage erst am Mittag. Damit war wieder eine Ankunft im Dunkeln gesichert.

Die Ansteuerung des Hafens von Kihnu war etwas verzwickt, da es vor kurzem erst eine Verlegung der Ansteuerungstonne gegeben hatte. Diese war in meiner Navionics Karte fürs iPhone schon enthalten, jedoch auf der in Tallinn gekauften Papierkarte noch als händisch geänderter Nachtrag. Aber alles war i.O., denn durch diese Änderung der Ansteuerung wurde ein knapp unter der Wasseroberfläche liegender Felsen im Vorfeld des Hafens sauber umschifft.Ich hatte wieder alles schön im iPhone mit Wegpunkten geplant und das machte es mir wesentlich einfacher die Fahrt zu verfolgen.
Kihnu, wir liefen um 22:30 Uhr in den Hafen ein. Ausser uns nur noch ein estnisches Boot und sonst empfing uns Stille. Diese Stille und Ruhe begleitete uns auch die nächsten Tage bis zum Auslaufen zur Nachtfahrt nach Riga. Kihnu ist eine Insel, die heute von ca. 700 Menschen ganzjährig bewohnt wird. Wie wir im Inselmuseum sehen konnten, war früher der Robbenfang ein Haupterwerb der Bewohner und die Bilder von Demselben im Winter waren beeindruckend.
Wir erwanderten die Insel in mehreren Stunden, denn die vier Dörfer liegen nah beieinander. Die Hauptstrasse Fährhafen zum Hauptdorf ist geteert, die restlichen Strassen sind ordentliche Sandstrassen. Uns begegneten während des vierstündigen Inselrundganges ca. 6 Autos, eines dreimal ;-) .
Es gibt einen Kaufladen mit dem Notwendigsten. Sonst versorgen sich die Insulaner sicherlich über die Fährverbindung auf dem Festland. Heutiger Haupterwerb ist die Landwirtschaft und verstärkt auch der Tourismus. Wir sahen bereits mehrfach Neubauten oder Umbauten als Ferienwohnungen.
Nach zwei Nächten auf Kihnu ging es weiter hinein in die Rigabucht, zur Insel Ruhnu. Die Überfahrt war eine Dreiwettertaft-Angelegenheit: Wind, Sonne und Flaute mit Fata Morgana-Symtomen.

Wir setzten einen Bullenstander und segelten a la Passatroute über die Rigabucht dem Abend entgegen. Ich fühlte mich einfach nur gut und genoss diese Reise in vollen Zügen.Nach dieser Trägheit, die uns doch zum Diesel greifen ließ kam ein kurzer Regenschauer und dann ein schöner Wind, der uns bis nach Ruhnu brachte.

Passatsegeln in der Rigabucht
In Ruhnu angekommen wurden wir vom Hafenmeister zu unserem Liegeplatz gelotst. Auch die Leinen wurden abgenommen und nachgefragt ob der Landanschluss funktioniert und wie wir Wasser tanken können. Offenes WLAN gibt es unter …. und das Hafen-Restaurant hat geöffnet ab. Boooohhhh, Service ist in. Da mussten wir doch glatt zwei Nächte bleiben und die Fahrräder für den folgenden Tag gleich reservieren.
Das Restaurant zauberte gutes Essen zu estnischen Niedrigpreisen.
Und wieder umarmte uns die Ruhe der Insel als wir am nächsten Morgen mit den Fahrrädern zu unserer Inseltour aufbrachen.

Innenraum der ältesten Holzkirche Estlands von 1644
Ein absolutes Muss für Ruhnubesucher ist die Holzkirche aus 1644. Man kann sie ohne Anmeldung besuchen und sollte sich dort auch mal eine längere Zeit aufhalten. Dann kommt die Zeit von damals zu Besuch und man sieht all die Kleinigkeiten und Inschriften.
Alle Schweden, die ursprünglich ja die Einwohner von Ruhnu waren, sind bei Einmarsch der Russen im Jahr 1944 nach Schweden ausgewandert. Das war das Ende der Jahrhunderte dauernden Schwedenzeit.
Heute leben auf Ruhnu ca. 80 Esten, und nur die dürfen ein Auto bewegen. Touristen müssen per pedes, Fahrrad oder mit dem Ringbus fahren.
Die Ruhe hatte uns wieder. ;-)
Nach zwei Nächten ging es weiter nach Riga und leider war für mich dort das Ende der Reise gekommen.

Dienstag, 22. September 2009

Zuerst wird die Reise zu Ende geschrieben



… aber für die ganz Vorwitzigen unter Euch hier schon mal ein Link ;-) : http://friendship22.ning.com/profile/WalterHoevel
In Tallinn blieben wir 2 Tage und ich hatte ein wenig Zeit die Eindrücke sacken zu lassen, denn es waren schon einige Gefühle, die auf mich eingeprasselt waren.
Tallinn als Stadt ist unbedingt sehenswert. Hier treffen sich das Quirlige – an jede Ecke freie WLAN-Zugänge – mit der Altstadt und ihre durchaus fühlbaren Historie.
Richtig Spaß hat es gemacht 8)
Richtig Spaß hat es gemacht :-)
Aber nach zwei Tage rief Paulinchen wieder zum Aufbruch. Wir segelten aus der Stadt und kreuzten erstmal zwei Stunden bevor wir einen längeren Kurs absetzen konnten. Die Welle der Anreise war weg und wir liefen mit achterlichem Wind nach Lohusalu.
Hier erwartete uns ein Paradebeispiele von EU-Subventionen: Ein Hafen vom feinsten, Sanitäranlagen mit „Porzellan“ auf Granit und so fort. Muss man, glaube ich, sonst schon nach so einer Ausstattung suchen.
Im direkt angrenzenden Restaurantbereich mit Freifläche für Musik, zu Betreten über eine mit Code gesicherte Gittertür, war an dem Abend Lifemusik angesagt. Vier junge Esten spielten nicht schlecht und gut laut bis Punkt null Uhr so alles, was man unter Rock und Pop so kennt. Und auf der Freifläche tanzten na schätzungsweise bis zu 100 Paare und Junggebliebene.
Am anderen Morgen war die Marieholm 26 neben uns, die Christian aus der Schweiz gehörte, bereits weg, aber seine Tafel Schweizer Schokolade mit einem schönen Gruß war noch da. Christian, vielen Dank, falls Du das mal lesen solltest.
Weiter ging es nach Haapsalu. Die Überfahrt lief sehr weite Strecken in klar gefassten Grenzen, sprich Fahrwasser mit Tonnen. Denn daneben wurde es schnell flach.
Mit dem iPhone behälst Du auch wo es war ;-)
Mit dem iPhone behälst Du auch wo es war ;-)
In Haapsalu deckten wir uns mit Lebensmitteln ein und machten einen kleinen Stadtrundgang. Hier kann man als Hausbaustoff noch sehr häufig Holz sehen und das nicht nur bei Altbauten.
Aber Achtung als motorisierter Mitteleuropäer: Kauf nur soviel ein, wie in eine Plastiktüte geht, wenn Du keinen Rucksack dabei hast. Warum ?? Dann kannst Du wenigstens die Seite beim Tragen wechseln, wenn die Plastiktüte dir das Blut in den Fingern abschnürt. ;-(
Beim Hafenverlassen mussten wir wieder einige Zeit motoren, bevor wir freies Wasser – sprich 5 Meter laut Echolot – hatten und unseren Kurs auf Kuivastu absetzen konnten.
Aber als wir dort ankammen hatten uns die EU-Subventionierer doch glatt alles weggebaggert und der Hafen war eine einzige große Baustelle. Also wieder los und nochmals eine gute Stunde motoren und auf die andere Seite nach Virtsu.
Auch die durch Nacht ging es weiter!!
Auch die durch Nacht ging es weiter!!
Dort trieben wir beim Festmachen am Schwimmsteg im ungastlichen Hafen einen mords Aufwand, weil wir ordentlich Respekt vor dem Schwell der an- und ablegenden Fähren hatten und auch noch Wind in nicht unerheblichem Umfang angekündigt war. Aber es blieb alles ruhig.
Danach ging es nach Kihnu. Aber dazu mehr im nächsten Beitrag in diesem Büchlein.